Trierischer Volksfreund vom 26.01.2012:
Bernkastel-Kues.
Gerade einmal zwei Wagen waren im vergangenen Jahr beim Bernkastel-Kueser
Umzug am Fastnachtssamstag aus der Stadt.
Die anderen hatten bereits eine kleine Reise hinter sich, bis sie sich in der
Kueser Friedrichstraße aufstellten. Sie kamen aus den Nachbarorten und
vervollständigten
den närrischen Umzug. Weniger als 20 Wagen, Gruppen und Musikkapellen machten
zuletzt in Bernkastel-Kues mit. In früheren Jahren waren es oft mehr als 30.
Der Vorsitzende des Karnevalsvereins "Huckebein", Eric Achtermann,
sagt: "In den vergangenen Jahren wurde es immer schwieriger. Immer
weniger Leute sind bereit,
einen Wagen zu bauen oder überhaupt mitzumachen. Es ist ihnen einfach zu viel
Arbeit. Wir bekommen nicht genügend Wagen zusammen.
Da lassen wir es lieber ganz bleiben, bevor wir uns blamieren."
Es ist noch nicht lange her, da gab es bereits eine Zwangspause. 13 Jahre
lang, von 1984 bis 1997, konnte kein Umzug organisiert werden.
Dann wagten sich die Narren mit viel Elan und Engagement wieder auf die Straßen.
Seitdem sind wieder 13 Jahre vergangen, und 2011 fand der letzte Umzug statt.
Ob für immer oder nur vorläufig, weiß Achtermann nicht. "Wir brauchen
einfach mehr Leute, die mitmachen", sagt er.
"Ich hoffe nicht, dass wir wieder 13 Jahre warten müssen."
Viele Vereine beteiligten sich
Dazu meine Stellungnahme bzw. Leserbrief, am 27.01.2012 als Kommentar bzw. Facebook veröffentlicht:
Dem Artikel von Herrn Simon kann ich als
„Betroffener“ nur zustimmen.
Als 2. Vorsitzender des Karnevalsvereins „Huckebein 1879“ habe ich über
viele Jahre das Thema Umzug in jedem Jahr diskutieren müssen.
Und leider nicht immer positiv.Ganz egal, was der Karnevalsverein in Sachen
Umzug unternommen hat, es gab ständig Ärger von allen
Seiten.
Mal beschweren sich einzelne Anwohner, dass sie die Strasse kehren mussten,
obwohl die Arbeiter des städtischen Bauhofes unmittelbar nach dem Umzug
den meisten Dreck schon beseitigt hatten. Mal beschweren sich per Leserbrief im
Volksfreund „Einheimische“ darüber, dass die öffentlichen Toiletten nicht
geöffnet sind – was Sache der Stadt ist, und es genügend Lokale gibt –
auch wenn das mal 50 Cent kostet ! !
Mal erscheint ein Artikel im Volksfreund in dem der Karnevalsverein daran Schuld
ist, wenn betrunkene Jugendliche in der Stadt unterwegs sind,
die ihre Getränke mitbringen oder vor Ort gekauft haben. Dies führte dann zu
einem Gespräch beim Verbandsbürgermeister und dem Polizeichef –
wie man das künftig unterbinden kann, obwohl der Verein beim Umzug überhaupt
keinen Alkohol ausgeschenkt hat !
In fast allen Gemeinden finden Karnevalsumzüge
statt, aber da ist es völlig normal, dass die Strassen von den Anwohnern
gekehrt werden,
da muss kein Verein beim Bürgermeister antreten wegen irgendwelchen Problemen.
Es ist auch in allen Orten normal, dass die örtliche Feuerwehr beim Umzug
mithilft und für einen reibungslosen Ablauf sorgt, auch das ist –
trotz vielfacher Bitte – in Bernkastel-Kues leider nicht möglich.
Das der Stadtbürgermeister diese Entwicklung bedauert, verwundert mich
allerdings sehr.
Im vergangenen Jahr war er persönlich auf einem Karnevalswagen beim Umzug in
Wehlen unterwegs – warum konnte er mit diesem Wagen
nicht auch beim Umzug in Bernkastel-Kues mitfahren ?
Die jährlichen Kosten für den
Karnevalsumzug belaufen sich auf fast 4.000,00 € für z.B. GEMA,
Musikkapellen, Wurfmaterial und so weiter.
Diese Kosten wurde zum Teil durch die Veranstaltung auf dem Marktplatz gedeckt,
zum Teil aber auch als Spenden bei der Gastronomie und
dem Einzelhandel „erbettelt“. Auch hier mussten wir feststellen, dass die
Spendenbereitschaft von Jahr zu Jahr abgenommen hat, obwohl die Lokale
der Stadt mehr als voll waren, wie dies Herr Thiesen im Bericht bestätigt hat.
All diese vielen „Kleinigkeiten“ die von
Jahr zu Jahr aus der Öffentlichkeit an die wenigen verbliebenen Mitstreiter für
den Umzug heran getragen wurden,
haben letztendlich dazu geführt, dass die Motivation immer mehr geschwunden
ist.
Keiner lobte die fleißigen Helfer für die
vielen Arbeitsstunden, auch für finanzielles Engagement, nein – es wurde nur
kritisiert.
Mag sein, dass es die „gesellschaftliche Entwicklung“ ist, ein Trend der
sich auch beim Weinfest in Kinheim zeigt. Alle fragen nur noch:
Was macht meine Gemeinde/Stadt für mich ? Anstatt zu sagen: Was kann ich für
meine Gemeinde/Stadt tun ? Ehrenamtliches Engagement stirbt immer
mehr aus – schade, denn die Gemeinden verlieren dadurch ein Teil ihres
Gesichtes.
Auch ich hoffe, dass sich irgendwann genügend
Menschen finden, die tatkräftig mithelfen wollen, wieder einen Karnevalsumzug
in Bernkastel-Kues durchzuführen.
Der Karnevalsverein wird sich mit Sicherheit dann auch wieder engagieren. Aber
ohne jegliches Interesse und Mithilfe von den Bürgern, den Vereinen und
sonstigen
Stellen wird dies schwer werden.
Anmerkung:
Zwischenzeitlich bemerkt man
ein Diskussion in der Stadt, viele meckern darüber, dass der Umzug ausfällt !
Da frag ich mich: Warum habt ihr nicht aktiv mitgemacht ?