Trierischer Volksfreund vom 26.01.2012:

Bernkastel-Kues: Karnevalsverein "Huckebein" streicht Umzug

Der Bernkastel-Kueser Karnevalsverein "Huckebein" wird in diesem Jahr in der Stadt keinen
Fastnachtsumzug veranstalten. Es würden immer weniger Freiwillige Wagen bauen oder sich
in Fußgruppen engagieren, begründet Vorsitzender Eric Achtermann die Entscheidung.
Der Umzug hatte in den vergangenen Jahren 5000 bis 10.000 Besucher in die Stadt gelockt.

Bernkastel-Kues. Gerade einmal zwei Wagen waren im vergangenen Jahr beim Bernkastel-Kueser Umzug am Fastnachtssamstag aus der Stadt.
Die anderen hatten bereits eine kleine Reise hinter sich, bis sie sich in der Kueser Friedrichstraße aufstellten. Sie kamen aus den Nachbarorten und vervollständigten
den närrischen Umzug. Weniger als 20 Wagen, Gruppen und Musikkapellen machten zuletzt in Bernkastel-Kues mit. In früheren Jahren waren es oft mehr als 30.
Der Vorsitzende des Karnevalsvereins "Huckebein", Eric Achtermann, sagt: "In den vergangenen Jahren wurde es immer schwieriger. Immer weniger Leute sind bereit,
einen Wagen zu bauen oder überhaupt mitzumachen. Es ist ihnen einfach zu viel Arbeit. Wir bekommen nicht genügend Wagen zusammen.
Da lassen wir es lieber ganz bleiben, bevor wir uns blamieren."
Es ist noch nicht lange her, da gab es bereits eine Zwangspause. 13 Jahre lang, von 1984 bis 1997, konnte kein Umzug organisiert werden.
Dann wagten sich die Narren mit viel Elan und Engagement wieder auf die Straßen. Seitdem sind wieder 13 Jahre vergangen, und 2011 fand der letzte Umzug statt.
Ob für immer oder nur vorläufig, weiß Achtermann nicht. "Wir brauchen einfach mehr Leute, die mitmachen", sagt er.
"Ich hoffe nicht, dass wir wieder 13 Jahre warten müssen."


Viele Vereine beteiligten sich

In früheren Jahren habe fast jeder Verein seinen eigenen Wagen gebaut, zum Beispiel der Freizeitsportverein Victoria Kues, das Männerquartett, der Männergesangverein
oder der Turnverein. Auch zahlreiche Freundeskreise taten sich zusammen, um in den Wochen vor Fastnacht einen Wagen zu bauen.
Kein närrischer Umzug am Fastnachtsamstag - das bedeutet auch keine Abschlussfete auf dem Marktplatz. Dort versammelten sich stets Aktive und Besucher, feierten und schunkelten -
oftmals bis in den späten Abend.
Und viele kehrten in die Kneipen und Gaststätten in der Altstadt ein. Die Gastwirte freuten sich über zusätzliche Einnahmen. Manfred Thiesen vom Restaurant-Café Thiesen sagt:
"Da war immer richtig was los. Wir hatten volles Haus, ähnlich wie in der Hauptsaison im Sommer."
Auch im Café Hansen am Marktplatz wärmten sich die Narren nach dem Umzug gerne auf. Inhaber Norbert Hansen sieht zwar den wirtschaftlichen Verlust für seinen Betrieb
nicht so gravierend, er bedauert aber den "hoffentlich nur vorübergehenden" Wegfall dieser moselländischen Karnevalskultur in der Stadt. Hansen: "Kein Umzug - da fehlt etwas in der Stadt."
Auch Stadtbürgermeister Wolfgang Port bedauert die jüngste Entwicklung. Bis zu 10 000 Besucher habe der Umzug angelockt. Port: "Schade, dass es in diesem Jahr keinen Umzug gibt,
aber vielleicht werden jetzt einige wach, und in den kommenden Jahren finden sich wieder genügend Leute, die mitmachen."

Dazu meine Stellungnahme bzw. Leserbrief, am 27.01.2012 als Kommentar bzw. Facebook veröffentlicht:

Dem Artikel von Herrn Simon kann ich als „Betroffener“ nur zustimmen.
Als 2. Vorsitzender des Karnevalsvereins „Huckebein 1879“ habe ich über viele Jahre das Thema Umzug in jedem Jahr diskutieren müssen.
Und leider nicht immer positiv.Ganz egal, was der Karnevalsverein in Sachen Umzug unternommen hat, es gab ständig
Ärger von allen Seiten.
Mal beschweren sich einzelne Anwohner, dass sie die Strasse kehren mussten, obwohl die Arbeiter des städtischen Bauhofes unmittelbar nach dem Umzug
den meisten Dreck schon beseitigt hatten. Mal beschweren sich per Leserbrief im Volksfreund „Einheimische“ darüber, dass die öffentlichen Toiletten nicht
geöffnet sind – was Sache der Stadt ist, und es genügend Lokale gibt – auch wenn das mal 50 Cent kostet ! ! 
Mal erscheint ein Artikel im Volksfreund in dem der Karnevalsverein daran Schuld ist, wenn betrunkene Jugendliche in der Stadt unterwegs sind,
die ihre Getränke mitbringen oder vor Ort gekauft haben. Dies führte dann zu einem Gespräch beim Verbandsbürgermeister und dem Polizeichef –
wie man das künftig unterbinden kann, obwohl der Verein beim Umzug überhaupt keinen Alkohol ausgeschenkt hat !

In fast allen Gemeinden finden Karnevalsumzüge statt, aber da ist es völlig normal, dass die Strassen von den Anwohnern gekehrt werden,
da muss kein Verein beim Bürgermeister antreten wegen irgendwelchen Problemen.

Es ist auch in allen Orten normal, dass die örtliche Feuerwehr beim Umzug mithilft und für einen reibungslosen Ablauf sorgt, auch das ist –
trotz vielfacher Bitte – in Bernkastel-Kues leider nicht möglich.

Das der Stadtbürgermeister diese Entwicklung bedauert, verwundert mich allerdings sehr.

Im vergangenen Jahr war er persönlich auf einem Karnevalswagen beim Umzug in Wehlen unterwegs – warum konnte er mit diesem Wagen
nicht auch beim Umzug in Bernkastel-Kues mitfahren ?

Die jährlichen Kosten für den Karnevalsumzug belaufen sich auf fast 4.000,00 € für z.B. GEMA, Musikkapellen, Wurfmaterial und so weiter.
Diese Kosten wurde zum Teil durch die Veranstaltung auf dem Marktplatz gedeckt, zum Teil aber auch als Spenden bei der Gastronomie und
dem Einzelhandel „erbettelt“. Auch hier mussten wir feststellen, dass die Spendenbereitschaft von Jahr zu Jahr abgenommen hat, obwohl die Lokale
der Stadt mehr als voll waren, wie dies Herr Thiesen im Bericht bestätigt hat.

All diese vielen „Kleinigkeiten“ die von Jahr zu Jahr aus der Öffentlichkeit an die wenigen verbliebenen Mitstreiter für den Umzug heran getragen wurden,
haben letztendlich dazu geführt, dass die Motivation immer mehr geschwunden ist.

Keiner lobte die fleißigen Helfer für die vielen Arbeitsstunden, auch für finanzielles Engagement, nein – es wurde nur kritisiert.
Mag sein, dass es die „gesellschaftliche Entwicklung“ ist, ein Trend der sich auch beim Weinfest in Kinheim zeigt. Alle fragen nur noch:
Was macht meine Gemeinde/Stadt für mich ? Anstatt zu sagen: Was kann ich für meine Gemeinde/Stadt tun ? Ehrenamtliches Engagement stirbt immer
mehr aus – schade, denn die Gemeinden verlieren dadurch ein Teil ihres Gesichtes.

Auch ich hoffe, dass sich irgendwann genügend Menschen finden, die tatkräftig mithelfen wollen, wieder einen Karnevalsumzug in Bernkastel-Kues durchzuführen.
Der Karnevalsverein wird sich mit Sicherheit dann auch wieder engagieren. Aber ohne jegliches Interesse und Mithilfe von den Bürgern, den Vereinen und sonstigen
Stellen wird dies schwer werden.

Anmerkung:

Zwischenzeitlich bemerkt man ein Diskussion in der Stadt, viele meckern darüber, dass der Umzug ausfällt !
Da frag ich mich: Warum habt ihr nicht aktiv mitgemacht ?